Ein Streifzug durch den Sad Yard Club

Ausstellung Nikolina Žunec verlängert, bis 4.1.2018! Mi-Sa 16-20:00h

Wenn Blicke töten können, wird man von den ikonografisch inszenierten Comicbildern der kroatischstämmigen Künstlerin Nicolina Žunec ziemlich umgeworfen. In der BILD.TON.WERK. Galerie ist Alles Bogart. „Schau mir in die Augen, Kleines“, gilt hier als Programm. „Auf39“ glupschen Kücken, Igel, Raupen, Mäuse, Hasen, Hunde, Katzen… im Hoch- und Querformat. Blicken schutzlos und verloren ins Licht der kunstinteressierten Mitwelt, die eine Premiere erlebt. Denn die Exponate der in Tirol lebenden Mal- und Gestaltungstherapeutin erblicken hier zum ersten Mal das Licht der Kunstwelt. Ob man sich an die klassische Comicära der amerikanischen dreißiger Jahre oder deren zweites Leben während des Wirtschaftswunders der Fünfziger erinnert fühlt, bleibt dem Auge des Betrachters überlassen. Die Verlorenheit beider Dekaden findet jedenfalls in den Bildern ihren Ausdruck. Vielleicht ja die Verlorenheit jeder Zeit.

 

Dass sich selbst Peter Alexander sofort im Grabe umdrehn, an den Sargdeckel klopfen und „Ich schau dir so gern in die Augen“, intonieren würde, gilt als sicher. Zumindest, wenn man dem grünen Bambi, das aus seiner Ecke von der Wand lugt, jenseits des Styx ein Leben in der Unterwelt spendiert. Selbstverständlich nachdem Zerberus, der hier als freundliches, igelartiges Stachelmonster von der Wand lugt, mit Zuckerwatte bestochen wurde. In jenem Nirvana, das sich jeder Besucher selbst ausmalt bleibt natürlich auch dem hinzu imaginierten Musikgeschmack des Betrachters keine Grenze gesetzt. Bei der Vernissage jedenfalls gab‘s als Liveact viel poppigen Blues der Gruppe MAD DAD & THE TRIGGERS, garniert mit den rauchig interpretierten Texten des Sängers.

10_SadYardClub_Schaf_web 09_SadYardClub_Katze_web 08_SadYardClub_Maus_web 07_SadYardClub_Hund_web 06_SadYardClub_Igel_web 05_SadYardClub_Fuchs_web 04_SadYardClub_Reh_web 03_SadYardClub_Vogerl_web 02_SadYardClub_Hase_web 01_SadYardClub_Raupe_web
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Beileibe nicht nur als Kulisse dient der zweite Zyklus, den Žunec präsentiert. Dadaistisches Textmaterial als Wordart auf Pappe kaschiert, in Rahmen aus Holzpaletten genagelt und mit groben Stahlketten an die Wand gehängt. Das regt zum über die Welt Monieren an. Paranormale Animosität im Hyperrealen steht da zu lesen. Ob da wohl jener Rest an Konsumwelt gemeint ist, der als Bodensatz auf jeder Palette kleben bleibt? Wenn der Trucker abgeladen hat, die Ware verbracht ist und das abgestellte Transportutensil, auf den langweiligsten Plätzen der Welt, der nächsten Verwendung harrt, herrscht Einfalt und Stille. Nicht Friede, Freude, Eierkuchen. Dieser zweite Zyklus erinnert an Graffities, die einfach, schmucklos aber bis zur Gnadenlosigkeit klar alltägliche Gedankenwelten servieren. Gegenwartsfiktionen als Surrogate, auf die man seinen Reim macht. Und zwar nachdem all das Begehrenswerte, das einmal auf den Paletten des Lebens stand, verkonsumiert wurde, seinen Bestimmungsort erreicht hat.

Text: Gerald Kofler; Bild: Hermann Stöckl

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